Durch Erfahrung wird man klug

Dieses Sprichwort spiegelt den Grundgedanken der Wissensmanagementmethode „Lessons Learned“ wider – sowohl aus eigenen, als auch aus den Erfahrungen anderer soll dazugelernt werden. In einer Lernschleife wird aus positiven und negativen Aspekten bewusst und nachhaltig Wissen generiert. Es geht darum, sich aktiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und Schlüsselmomente („Aha-Effekte“) zu erschaffen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden dokumentiert und weitergegeben. Dies führt zu einer besseren Verankerung im Kopf und unterstützt den Lerneffekt.

Lessons Learned Zyklus

(vgl. http://www.artm-friends.at/am/km/WM-Methoden/WM-Methoden-92.htm)

Beim Durchstöbern des Buches „Gamestorming“ von Gray, D. (2013) bin ich auf viele interessante und brauchbare Spiele gestoßen mit denen „Lessons Learned“ sinnvoll erarbeitet werden kann. Im Folgenden beschreibe und vergleiche ich drei der im Buch erwähnten Workshopmethoden, die für „Lessons Learned“ förderlich sind.

Beim „Lagerfeuer“ berichten die Teilnehmer/innen von ihren persönlichen und beruflichen Erfahrungen zu einem Thema in Form von Geschichten. Die Erzählungen beinhalten Probieren und Studieren, Erfolg und Misserfolg, Diplomatie und Teamwork. Als Aufhänger dient eine „Wortwand“ mit Klebezetteln auf denen Schlagwörter notiert sind. Jede/r wählt ein Wort oder schlägt selbst eines vor und erzählt dazu seine persönliche Geschichte. Durch das neue Anordnen der Klebezettel in der Reihenfolge der erzählten Geschichten entsteht ein „Erzählfaden“. Zum Abschluss werden gemeinsam neue Erkenntnisse und Gedanken formuliert. Das Lagerfeuerspiel zählt zu den Erkundungsspielen, fördert den Austausch und zeigt, wie viel Mitarbeiter/innen gemeinsam haben. Die Teilnehmer/innen erfahren durch das Zuhören was gut beziehungsweise schlecht gelaufen ist und können so Best Practice Beispiele und Verbesserungsmaßnahmen ableiten. Diese Kernelemente sind ein wesentlicher Bestandteil von „Lessons Learned“ und sprechen daher für diese Workshopmethode. Es stellt sich für mich jedoch die Frage, ob der „Erzählfaden“, der das Archiv der Lagerfeuergeschichten darstellt, als Dokumentation ausreicht bzw. wie die Erfahrungswerte aus den Geschichten zur Wiederverwendung sinnvoll verschriftlicht und weitergegeben werden können.

SWOT steht für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Bedrohungen). Zu jeder Kategorie werden Ideen gesammelt und anschließend diskutiert. Diese Technik zählt zu den Erkundungsspielen und dient zur Evaluation und Reflexion vergangener Situationen, um Erkenntnisse für neue Ziele abzuleiten. So können Chancen und Stärken besser genutzt, Fehler vermieden und Risiken verringert werden. Beim Spiel entsteht eine Sammlung von Faktoren, deren Einfluss beurteilt wird und die zukünftige Entwicklung bestimmt. Die SWOT-Analyse ist meiner Meinung nach sehr nützlich für „Lessons Learned“, vor allem, weil eine Situation aus vier unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird und so den eigenen Horizont erweitert.

Die „Erinnerungswand“ ist ein Wertschätzungsspiel und eignet sich zum Abschluss eines Workshops. Es geht darum, sich positive, angenehme Erinnerungen ins Gedächtnis zu rufen und diese zu visualisieren. Da in diesem Fall negative Erfahrungen bewusst vermieden werden, beleuchtet diese Methode nur die positive Seite von „Lessons Learned“ mit dem Ziel, Beiträge der Teilnehmer/innen anzuerkennen, ihre Leistungen zu feiern und den Teamzusammenhalt zu fördern. Der Aspekt, dass man aus Fehlern am meisten lernt, wird in diesem Spiel ausgelassen und im Sinne von „Lessons Learned“ daher sehr einseitig betrachtet. Dennoch finde ich das Spiel zur Motivation der Teilnehmer/innen sehr brauchbar, vor allem in Gruppen, in denen der Umgang mit Fehlern schwierig ist.

Von den drei beschriebenen Spielen finde ich die SWOT-Analyse für „Lessons Learned“ am besten geeignet, weil sie im Gegensatz zum „Lagerfeuer“ und der „Erinnerungswand“ mehrere Perspektiven zulässt. Durch die vier unterschiedlichen Betrachtungsweisen kann meiner Meinung nach am besten reflektiert und am meisten dazugelernt werden.

Insgesamt sehe ich die größte Herausforderung bei „Lessons Learned“ in der strukturierten Dokumentation zur Weiter- beziehungsweise Wiederverwendung in einer Art Datenbank, damit gewonnene Erkenntnisse auch wirklich gefunden und für ähnliche Projekte genutzt werden können. Eine mögliche Herangehensweise dafür habe ich auf You Tube gefunden:

How to capture Lessons Learned at the end of a project

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